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Tutorials von trainXL

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Entgegen aller Vorurteile: Privatsphäre ist bekannt

Vergangene Woche habe ich einen Workshop zum Thema Medienkompetenz gegeben. Das Gymnasium im Süden Hamburgs hatte verschiedene Fachleute und Dozenten eingeladen, die zu den Themen OpenSource, Datenschutz, Verschlüsselung und (Eigen)verantwortung im Netz sprechen und praktische Mitarbeit ermöglichen sollten.Die SchülerInnen konnten im Laufe des Vormittags zwei Workshops besuchen und stellten am Nachmittag den Anderen ihre Erlebnisse und Erfahrungen vor.

 

In meiner Veranstaltung "WWW, Datenschutz und Gefahren im Netz" habe ich den technischen Aufbau des Internets/WWW im Dialog mit der Gruppe erarbeitet. Dabei ergaben sich Rollen von Menschen und technischen Komponenten, die die SchülerInnen anschließend spielerisch umgesetzt haben.

 

Zu meiner Freude war vielen schon bekannt, dass sie bei SchülerVZ Einstellungen zur Privatsphäre machen können und diese nach Aussage einiger auch nutzen. Der Gedanke, dass das Internet nichts vergisst, war den meisten geläufig, wenn nicht sogar selbstverständlich: "Klar, Rechtsklick, Grafik speichern unter... oder Screenshot". Dass Inhalte, die aus dem Netz zurückgezogen werden, umso interessanter werden, gab eine Schülerin ebenfalls zu bedenken. Die Verantwortung für die Inhalte, die SchülerInnen veröffentlichen, liege bei ihnen selbst, war das Ende der Erörterung, und ich hatte den Eindruck, damit kleinere offene Scheunentore eingerannt zu haben.

 

In der Wiederholung des Workshops am späteren Vormittag lief der rote Faden ein wenig anders, was an einer kleinen Fraktion dominanter Jungs lag, die den Spaß bei SchülerVZ im "Verarschen" sahen. Als ich hier weiter nachfragte, meinte einer, im wirklichen Leben würde er aufhören, wenn der andere eine Reaktion zeige, die ihm signalisiere, dass der Spaß nur noch einseitig sei. Dass diese Signale im Netz nicht so offensichtlich sein können, wollten alle eingesehen haben. Wider meiner Befürchtung legte sich die offensive Stimmung der Fraktion nach einer halben Stunde.

 

Wir kamen noch auf Tauschbörsen zu sprechen und erarbeiteten die notwendige Trennung zwischen der Technologie und ihrer Nutzung. Dass dabei das Thema Urheberrechte eine große Rolle spielte war klar. Als ich auf alternative Distributionsformen von Wissen und Kultur hinwies (Cory Doctorow, Nine Inch Nails, DJ DangerMouse), musste ich feststellen, wie bekannt tradierte Mittel der Geldgenerierung im Netz bei den Jugendlichen sind: Finanzierung durch Werbung, Verschenken gegen Spende, gesponsorte Seiten, gesteigerte Aufmerksamkeit durch Verschenken etc.

 

Nicht dass ich Schlimmes erwartet hätte, als ich auf die Neunt- und ZehntklässlerInnen traf, aber der Vormittag hat mich positiv überrascht. Das oft bemängelte Medienbewusstsein Jugendlicher war dort nicht in hohem Maße zu beklagen.

 

Spaß gemacht hat uns das Nachspielen des WWW: Nachdem wir die Beteiligten des weltweiten Netzes ausfindig und besprochen hatten (Server, Client, User, Logfile, IP-Adresse, Provider, Vorratsdatenspeicherung, Router, Datenbank etc.), bekam jedeR TeilnehmerIn ein DIN-A4-Blatt mit der jeweiligen Rolle aufgeklebt. Anschließend haben wir den Request/Response-Vorgang zwischen Client und Server ablaufen lassen und dabei noch einmal alle datenschutzrelevanten Aspekte angesprochen. Fazit: Es sollte mehr IT-Theater an Schulen geben! :-)